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Reise zum Nordkapp und zurück #5

So langsam bin ich ja wirklich etwas enttäuscht. Nicht von der Reise zum Nordkapp, oder der Landschaft. Auch nicht davon, was ich so alles entdecken und erleben darf. Aber eins muss ich jetzt mal loswerden: Wo sind die Rentiere, die Vielfraße, die Bären und die Wölfe?

OK. die drei letztgenannten sind vielleicht nicht so weit verbreitet. Aber jetzt bin ich bereits drei Wochen im Norden und habe noch kein Rentier gesehen? Wie kann das sein? Die einzigen Tiere, die ich bisher bewundern konnte, waren Vögel in jeglicher Variation, ein Reh und ein Hase. Na ja, drücken wir mal die Daumen, dass noch das ein oder andere Rentier auf meiner Reise zum Nordkapp morgens in mein Dachzelt schaut.

Die Qual der Wahl

Letzte Woche habe ich schon erzählt, dass ich mich noch nicht entscheiden konnte, ob ich meine Reise zum Nordkapp in Schweden oder Finnland fortsetzen möchte. Ich habe schon lange vorher überlegt und getüftelt, was denn die bessere Wahl sei.

Schlußendlich wurde mir die Entscheidung jetzt durch ein ganz pragmatisches Ereignis abgenommen: Ich musste Wäsche waschen und habe in Schweden keinen Waschsalon und keinen offenen Campingplatz gefunden. Bei der Routenplanung für Langzeitreisende muss man eben auch so etwas beachten.

Somit bin ich mit der Fähre nach Åland und von da aus nach Finnland geschippert. Aber dazu später noch mehr.

Woche5_Karte_nordkappundzurück
Die Reise zum Nordkapp geht weiter durch Finnland

An meinem letzen Tag in Schweden hatte ich das Glück noch einmal strahlenden Sonnenschein mitzunehmen. Das habe ich natürlich gleich genutzt, um rund um den Kapellskärer Hafen einen ausgedehnten Spaziergang zu machen.

Das ist ganz klar eines der wunderbaren Vorteile meiner Art zu reisen: Ich bin sehr viel draussen und immer nah an der Natur. Somit kann ich auch immer öfter solch wunderbare Momente einfangen.

Festland_Kapellskär_Schweden_nordkappundzurück
In der Nähe des Hafens von Kapellskär kann man wunderbar spazieren gehen, bevor es auf die Fähre geht

Eine Schifffahrt, die ist lustig…

Die Überfahrt auf der Fähre „Rosella“ war recht kurz. 2 Stunden 15 Minuten und schon ist man auf Åland. Diese Inselgruppe gehört schon zu Finnland, ist aber weitestgehend politisch autonom. Die Amtssprache hingegen ist schwedisch, wer blickt denn da noch durch?

Rosella_Fähre_norkappundzurück

Auf dem Schiff hingegen – und auch sonst auf meiner Reise zum Nordkapp bisher überall – spricht jeder perfekt Englisch. Mit Verständigung habe ich also weit weniger Probleme, als in manch anderen Ländern. Man denke da nur einmal an Frankreich, Slowenien oder Italien.

Ich habe die Fährzeit extra so gewählt, dass ich zum Sonnenuntergang auf dem Schiff sein werde. Und das hat sich sowas von gelohnt! Diese Schifffahrt war einfach ein Traum. An der Fähre ziehen die ganze Fahrt über rechts und links kleine Inseln vorbei. Ein sehr idyllisches Gebiet. Und so einen phantastischen Sonnenuntergang auf See zu erleben – unbezahlbar.

Titelbild_Åland_Fährfahrt_nordkappundzurück
Die Fährfahrt von Schweden auf die Åland Inseln hat sich gelohnt!

Zwischenstopp auf den Åland Inseln

Diese kleine Inselgruppe zwischen Schweden und Finnland kann ich wärmstens empfehlen. Ein ständiger Wechsel zwischen Wald und Meer. In Schweden habe ich mich ab und zu über die Lautstärke der E4 beschwert, die ich gefühlt überall gehört habe. Hier habe ich absolute Ruhe vorgefunden und diese gleich ein paar Tage im Wald inhaliert.

Dachzelt_Åland_Wald_nordkappundzurück
Ein wunderbarer Übernachtungsplatz mitten im Wald

Leider habe ich mich in obigem Wald bei Dunkelheit ein wenig überschätzt und bin mit dem Unterboden hängengeblieben. Dabei habe ich mir den Dieselschlauch von der Standheizung beschädigt. Finnland im Winter ohne Standheizung ist meines Erachtens nach kein guter Plan.

Aber noch viel schlimmer war für mich der Gedanke, dass mein Wagen Diesel verliert und der einfach so in die Natur tropft. Ich bin zwar kein Profi, aber mir war schnell klar, dass das Problem mit dem entsprechenden Equipment einfach zu beheben sein wird. Somit habe ich mein Bestes gegeben und das Leck mit einer Plastiktüte sowie ausreichend Panzertape verschlossen. Mit diesem Provisorium bin ich in den nächsten Ort gefahren und habe glücklicherweise noch eine offene Werkstatt gefunden.

Ich habe meinen Wagen abgestellt, die Plastiktüte entfernt und eine Schüssel unter das Leck gestellt. Dann bin ich in die Werkstatt und habe gefragt, ob mir jemand helfen könne. Der Mechaniker hat sich das ganze angeschaut und erklärt, dass er das schnell regeln kann. Dann ist es passiert: Er nimmt die Schüssel mit dem Diesel und schüttet die mittlerweile 200-300 ml ausgestopften Diesel aus der Schüssel einfach so auf den Boden. Ich hab gedacht ich seh nicht recht!

Umweltschutz wird hier wohl richtig groß geschrieben. Leider habe ich mittlerweile bereits von vielen Beispielen auch aus Skandinavien gehört, dass die Natur hier im Norden nicht so sehr gepflegt wird, wie es wünschenswert wäre.

Leider konnte ich diese Verschmutzung jetzt auch nicht mehr ändern. Ich habe mein Bestes gegeben und nur wieder einmal gelernt, wie wichtig mir es ist meinen Beitrag zu dem Thema Umweltschutz beizutragen, egal was die anderen machen.

Schlussendlich war der Schaden wirklich schnell behoben und ich konnte zurück in meinen ruhigen Wald düsen.

Dieselschlauch_abgerissen_Planar_2D_nordkappundzurück
Manchmal geht auch was kaputt auf der Reise. Also ab in die Werkstatt!

Hei Suomi!

Mit frisch reparierter Standheizung kann ich jetzt auch ruhigen Gewissens nach Finnland übersetzen. Die Fährfahrt von Åland nach Finnland war leider bei weitem nicht so romantisch, wie die oben Beschriebene. Die Fahrt war über 5 Stunden lang und ich hatte mich deshalb darauf eingestellt an Board ein paar Dinge online zu erledigen.

Abgesehen von der schlechten WLAN-Verbindung, gab es auf dem ganzen Schiff nur leider keinen einzigen Ort, an dem keine Live-Musik gespielt wurde. Es gab Karaoke, Gitarrenmusik mit Gesang, eine Bühne mit Kinderanimation, eine Band und ein Klavierzimmer und viele laute, sowie betrunkene Menschen. Die Fähren von und nach Åland sind bekannt für ausgelassene Feten, da man auf diesen Schiffen Duty free einkaufen kann. Da der Alkohol im Norden recht teuer ist, die gute Gelegenheit günstig zu feiern. Somit war ich überall der Party ausgesetzt und konnte nicht wirklich in Ruhe arbeiten.

Es kann halt auch nicht überall so chillig sein, wie in der Natur…

Sonnenuntergang_Åland_nordkappundzurück
Ein sonniger Abschied aus Åland

Wie gehts weiter?

Ob ich nächste Woche mal endlich ein Rentier sehe? Wie ist das mit der Kälte? Und was ist eigentlich mit Schnee? Das und hoffentlich noch viel mehr wird sich alles in der nächsten Woche auf meiner Reise zum Nordkapp zeigen! Bist du wieder on board?

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10 Kommentare

  1. Hallo Rebecca,
    na das mit der Wäsche hätten wir ja schon noch in Schweden regeln können 😉

    Aber ein Ausflug nach Åland ist ja auch immer lohnenswert! Glück gehabt mit der abgerissenen Leitung… und was den Naturschutz der Nordeuropäer anbelangt ist das auch immer eine ganz individuelle Sache – leider.
    Rentiere wirst du weiter im Norden schon noch zu Gesucht bekommen. Bisher warst du dafür zu weit im Süden. Jetzt im Winter sind alle Rentiere in der Regel in den Wäldern, also nicht im Fjäll (Berge).
    Weiterhin viel Spaß im Norden – wird’s langsam kalt?
    LG
    Hartmut

    1. Jaaaa.. Hätte =)

      Das ist echt traurig mit dem Naturschutz.. viele Dinge wären doch so einfach!

      Berge? Wo sind hier Berge? =) Ich warte sehnsüchtig auf die Tierchen…

      Jo, es is langsam schon knackig, tagsüber so um die 0 Grad, nachts bis -5. Es bleibt spannend, wie lang ich darauf Lust hab =)

  2. Liebe Rebecca,
    mit viel Freude und spannender Erwartung lesen wir jede Woche deinen Reisebericht aus dem Norden. Klasse was du so alles dort „oben“ erlebst.
    Wir wünschen dir alles Liebe und Gute und grüßen dich vom Westzipfel Deutschlands.
    Marion und Jens

    PS: Und wenn du wieder mal vorbei kommst kannst du immer gerne bei uns auf dem Hof nächtigen!

    1. Hey ihr beiden!

      Vielen lieben Dank für die lieben Wünsche! Ich erzähle oft von euch und eurer „Aktion“ Dinge abzugeben! Eine schöne Geschichte…

      Danke auch für die Einladung zur Übernachtung! In so einem schönen Hof schläft es sich doch immer gut.

      Lg Rebecca

  3. Hallo Rebecca!
    Du hast Dich also doch für Finnland entschieden. Keine schlechte Wahl.
    Vielleicht hättest Du auf den Alands mit den kleinen Fähren von Insel zu Insel fahren sollen. Ist zeitaufwändiger, aber dafür ruhiger. Na ja Du hast es ja auch so überstanden.
    Das auf den Alands schwedisch gesprochen wird, liegt daran, das sie früher zu Schweden gehört haben. Falls Du an der Küste weiter nach Norden fährst , wirst Du feststellen das viele Ortsnamen in finnisch und auch in schwedisch sind. Denn die Westküste war früher auch schwedisches Gebiet. Man hört auch noch oft die schwedische Sprache dort.
    Das mit Deiner Standheizung ist leider Pech, wäre mir aber fast auch einmal in Norwegen passiert . Die Dieselleitung hing nur noch lose und knapp über der Straße am Unterboden meines Autos. Zum Glück ohne Leck.
    Rentiere und mit etwas Glück auch Elche wirst Du bestimmt noch sehen.
    Schnee denke ich auch bald.
    Für die Nacht vom 01. zum 02. Dezember soll es Polarlicht Stufe 5 von 9 geben.
    Meinen jedenfalls Die Alaskaner. Das ist relativ gut. Hoffentlich ist es klar und nicht bewölkt.
    Also dann Kamera aufs Stativ., Langzeitbelichtung an und eine kleine Blende eingestellt.
    (20-30 s / Blende 2,8) Musst Du halt ausprobieren.
    Ich hoffe es wird Dir noch nicht zu kalt zum zelten. Notfalls kannst Du ja auch auf Hütten auf den Campingplätzen ausweichen.=)

    Bis dahin noch eine gute Reise.
    Gruß Frank.

    1. Hallo Frank,
      und ich hab mich schon gewundert, warum auch hier in Finnland viele Schilder noch auf schwedisch beschriftet sind. Ob jetzt jemand schwedisch oder finnisch spricht, kann ich noch nicht so wirklich herausfinden =)

      Ich hoffe schon seit 2 Wochen, dass es am 1.+2.12. klar werden wird. Kamera fange ich grade erst einmal an zu lernen, wie sie funktioniert. Hab aber alles an Board und ja noch ne Woche Zeit =) danke für deine Tipps!

      Sind denn noch Campingplätze offen im Norden? Ich hab noch keinen gefundenen.
      Lg Rebecca

  4. Hallo Rebecca!
    Das mit der Kamera wirst Du sicherlich noch lernen. Einfach probieren bis es klappt.
    Die Kunst bei Nacht- bzw. Polarlichtaufnahmen ist, soviel wie möglich Licht einzufangen.
    Iso eine hohe Empfindlichkeit wählen, kleine Blende einstellen und lange belichten.
    Deswegen am besten ein Stativ benutzen, damit nichts wackelt.
    Campingplätze, die auch im Winter geöffnet haben, gibt es schon in Skandinavien.
    Allerdings nicht so sehr viele.
    Meist sind sie in Wintersportregionen oder in der Nähe größerer Städte.
    Einfach mal bei google unter Wintercamping und dem jeweiligen Land suchen.
    Auch die Seiten der Automobil- und Campingclubs bieten entsprechende Infos.
    Helfen können Dir sicherlich auch die örtlichen Touristeninfos. Dort gibt es meist Campingführer von dem Land oder der Region, wo Du gerade bist.
    Bist Du eigentlich mit einem Navi unterwegs? Wenn ja, solltest Du unter POI die Touristeninfos und evtl. Campingplätze finden. Manchmal stehen auch am Straßenrand Schilder mit der Aufschrift Room, Stuga , Hytte oder auf finnisch Kota.
    Falls es mal besonders kalt ist oder Du Deine Sachen mal trocknen oder waschen musst ist das bestimmt nicht schlecht.
    Außerdem ist das eine gute Gelegenheit neue Leute kennen zulernen.
    Englisch wird ja meist überall gesprochen.
    Noch ein besonderer Übernachtungstip.
    In Kakslautanen/Saariselkä in den Nähe von Ivalo gibt es ein Igloo Village mit Glasiglus im Wald. Dort kann man dann vom warmen Bett aus die Sterne oder das Polarlicht beobachten. (www.kakslautanen.fi) Die Webseite ist auch in deutsch.

    Lg Frank.

  5. Hallo Rebecca,oben im Norden wirst du noch viele Rentiere sehen uns sind sie direkt vors Auto gelaufen. Aber ich muss sagen du hast viel Mut so allein. Ich wünsche dir noch viel Spaß und werde deine Reise weiter verfolgen.

    1. Hi Barbara,
      über Mut habe ich mir wirklich am wenigsten Gedanken gemacht. Ich denke in der Wildnis bin ich sehr viel sicherer als in jeder Stadt!
      Liebe Grüße nach Deutschland!
      Rebecca

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