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Der Felsen von Gibraltar

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Die Meerenge von Gibraltar – das hat vermutlich jedes Kind schon einmal gehört. Doch was gibt es da so zu entdecken? Wie? Gibraltar ist ein Land? Gibraltar ist eine britisches Überseegebiet? Und kann man an der Meerenge eigentlich bis nach Afrika schauen?

Seitdem ich im Januar 2017 beschloss, den Frühling in Portugal zu verbringen, bin ich vernarrt in den Gedanken einen Abstecher nach Gibraltar zu machen. Die Fragen zu Beginn lassen vermuten, dass ich nicht wirklich viel wusste über dieses schnuckelige Ländchen am südlichsten Punkt Europas Festlandes.

Reisevorbereitung ist für mich nahezu gleich 0 tendiert, seit ich das Reisen neu entdeckt habe. Natürlich klappere ich auch die üblichen Dinge ab, z.B. welche Sprache wird gesprochen, muss ich Geld wechseln, kann ich mobile Daten nutzen und telefonieren, was macht das Wetter, kann ich wild campen usw.

Manchmal habe ich sogar einen groben Plan, was ich sehen mag. In diesem Fall war es ganz klar, was das Ziel ist: Afrika sehen.

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Vom Playa la Línea aus sieht man schon den imposanten Felsen in der Ferne

Schon als ich mittags mein Auto in der Nähe der Grenze abstellte, dachte ich Afrika gesehen zu haben, natürlich habe ich das gleich fröhlich an Freunde und Familie berichtet. Es war ja ganz schön aufregend. Die Rückmeldungen waren alles in allem leider ähnlich: eigentlich kann das nicht sein. Um von Gibraltar aus wirklich klar nach Afrika blicken zu können, müsse ich schon auf den Berg rauf – der Erdkrümmung sei Dank.

Den Felsen von Gibraltar zu erklimmen musste mir ohnehin keiner zwei Mal sagen. Lediglich mein Muskelkater von der letzten Tour hat sich noch ein bisschen beschwert. Aber da muss ich jetzt wohl durch. Außerdem treiben bekanntlich die einzigen frei lebenden Affen in Europa am Fels von Gibraltar ihr Unwesen. Mit den Affen als Sahnehäubchen konnte ich mich jetzt umso mehr auf meine kleine Bergtour am Folgetag freuen.

Also bin ich am nächsten Vormittag mit leichtem Gepäck zu Fuß von Spanien nach Gibraltar aufgebrochen. Ich glaube übrigens noch nie zu Fuß über eine internationale Grenze mit Grenzkontrolle spaziert zu sein. Irgendwann ist eben immer das erste Mal.

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Der Felsen von Gibraltar von Spanien aus betrachtet

In Gibraltar wird man neben den typischen britischen Telefonzellen direkt mit dem ersten Highlight empfangen: nach der Grenzkontrolle quert man die Landebahn des internationalen Flughafens. Einfach so, auf den ersten Blick jegliche Schranke, Absperrung oder sonstiges.

Der Flughafen ist quasi entlang der Grenze gebaut und in der Mitte führt die einzige Straße in das Land hinein und hinaus durch. Jetzt fragst du dich vielleicht, wie das dann funktioniert, sobald ein Flugzeug starten oder landen mag. Tatsächlich funktioniert das wie bei einem Bahnübergang. Eine Ampel geht an, Schranken gehen runter und dann heißt es warten. Ein wahres Spektakel für Touristen, für einheimische vermutlich eher nervig, aber gewöhnt man sich nicht an alles?

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Der internationale Flughafen Gibraltars trennt das kleine Land von Spanien

Nach Passieren des Flughafens geht es für mich weiter in die Innenstadt. Der Weg und die Richtung ist in Gibraltar ziemlich einfach einzuhalten. Wenn du nur den Aufgang zum Felsen suchst, brauchst du keine Karte, der Weg ist super ausgeschildert. Wenn du aber trotzdem lieber eine Karte kaufen magst, die gibt es am Straßenrand überall am Automaten, für 1€ oder 1£. Meine Vermutung, dass man sich in einem 6,5 Quadratkilometer kleinen Land nicht wirklich verlaufen kann, haben sich für mich bestätigt.

Den Trouble der typisch europäischen Einkaufsstraße habe ich als Ruhe liebender Mensch schnell verlassen und einen kleinen Platz mit süßen Cafés gefunden. Na da gönn ich mir doch gleich mal eine Belohnung für den halbstündigen Marsch hierher, lautete meine Devise. Tatsächlich war es mir nicht möglich dieses monströse aber unendlich leckere Stück Chocolate Cheese Cake zu verdrücken. Es war einfach too much. Während ich da so saß und mein Umfeld beobachtet habe, stellte ich mir die Frage: wie wichtig ist Sprache für uns als Menschen? Meine Antwort habe ich direkt aus diesem netten Café auf Steemit veröffentlicht.

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So lässt sich doch arbeiten =)

Genug Philosophie für den Moment. Jetzt gehts ab auf den Berg, bevor das Wetter umschlägt. Wenn du den Felsen von Gibraltar auch einmal besteigen magst, lass ich eine klitzekleine Warnung hier. So ganz ohne ist der Aufstieg nicht. Technik ist zwar kaum erforderlich – überall sind Stufen und Asphalt – aber konditionell ist das Ganze schon moderat. Immerhin 450 Höhenmeter auf etwa 8 km sind zu überwinden. Das bedeutet, an manchen Stellen ist es schon recht steil. Vor allem bei sengender Hitze kein Kinderspiel. Denk daran genug Flüssigkeit mitzunehmen und Sonnenschutz zu benutzen!

Zuerst geht es eine nie zu enden scheinende Treppe durch eine nette Wohngegend hinauf. Ich habe die Stufen nicht gezählt, aber es waren bestimmt 1000. Am Ende dieser Himmelstreppen geht es noch ein Stück über normale Straßen durch das Wohngebiet, bis man an das Kassenhäuschen kommt.

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Nette Wandmalerei versüßt den Aufstieg

Ich habe zwar selten fürs Bergwandern Eintritt bezahlt, aber ok. Hier zahlt man eher für die Sehenswürdigkeiten auf dem Weg und nicht für den Berg an sich. Du musst dich schon hier entscheiden, welche Highlights du dir anschauen magst.

Da ich schon recht spät dran war und das Wetter für den Nachmittag nicht gut eingeschätzt habe, wählte ich die günstigste Variante. Die Burg und die Tunnel aus dem 2. Weltkrieg habe ich beispielsweise ausgelassen. Eigentlich wollte ich ja nur Afrika sehen .Insgesamt brauchst du von der Innenstadt bis hierhin um die 20 Minuten. Und siehe da, auf dem Kassenhäuschen tummeln sich gleich die ersten Affen.

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Auf dem Weg habe ich mir selbstverständlich die Kulturstätten angesehen, die frei zugänglich waren. Darunter eine ganz gut aufbereitete Ausstellung über die große Belagerung Gibraltars von 1779 bis 1783. Dadurch konnte ich einen kleinen aber guten Eindruck über die Geschichte dieses Felsens und der Stadt bekommen. Tatsächlich hat mich am meisten begeistert, mal wieder etwas auf Englisch zu lesen. In Spanien und Frankreich habe ich zweisprachige Beschilderung meist vergeblich gesucht.

Auf etwa halber Strecke, nach einer gemütlichen halben Stunde, kannst du dich entscheiden, ob du den naturnahen Weg über Stock und Stein nehmen magst, oder den kompletten Aufstieg mit ständig passierenden Taxi-Kleinbussen teilen magst. Für mich war das keine Entscheidung, sondern glasklar, natürlich nehme ich den natürlichen Weg. Auf dem Trail war nicht viel los, teilweise kam ich mir wirklich vor wie im Urwald – sehr empfehlenswert! Allerdings solltest du ein wenig Trittsicherheit und einigermaßen gute Schuhe mitbringen, es ist doch teilweise recht unwegsam und steil.

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Der Abstecher durch die Natur lohnt sich!

Diesem Trail bin ich in etwa eine halbe Stunde gefolgt. Am Ende angekommen habe ich erst einmal meinen Augen nicht getraut, deshalb fragte ich eine am Straßenrand rastende Frau: „Is this Africa?“. Sie antwortete: „Yes, it’s Marocco!“ Wow. Das hat von der spanischen Grenze aus und auf Meereshöhe wirklich anderes ausgesehen. Das Gebirge in Afrika war schon von hier aus ziemlich deutlich zu erkennen, obwohl ich noch einige Höhenmeter zu überwinden hatte.

Die letzte halbe Stunde bis zum Gipfel verging dank des grandiosen Ausblicks und des Entertainmentprogramms der Berberaffen wie im Flug. Na ja. Entertainment kann man das eigentlich nicht nennen. Im Prinzip machen sie nicht wirklich etwas außer schlafen, sich lausen oder futtern. Sie sind sehr zutraulich, wissen sich aber definitiv zu wehren, wenn man ihnen auf den Nerv geht. Mich hat ein kleines Äffchen schon beim Selfie-Versuch gehörig angefaucht, außerdem sind die Affen für Diebstahl bekannt. Also alles gut festhalten!

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Der Kollege sieht wirklich sehr fröhlich aus, meinst du nicht auch?
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Dieser kleine schleckt gerade die Verpackung eines Plastikriegels ab

Vorbei an den Relikten des zweiten Weltkrieges bin ich immer aufwärts bis zu dem sogenannten Skywalk. Ein Junge saß am Treppenaufgang und hat mitgezählt, wieviele Leute an ihm vorbei gehen. Ich frage mich bis heute was genau er da zählt. Abgesehen vom Eingang wurde man nirgends sonst zahlenmäßig erfasst. Hätte ich ihn nur einmal gefragt! Wenn du an dem Jungen einmal vorbei kommst, dann frag doch bitte für mich nach!

Dieser Skywalk besteht aus zwei Plattformen. Bei der unteren Plattform ist der Boden durchsichtig. Das heißt du siehst in den Abgrund unter dir, während du über die Plattform läufst. Nichts für schwache Nerven oder Besucher mit Höhenangst! Auf der oberen Plattform hat man bereits einen tollen Ausblick.

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Die Westside von Gibraltar und die Bucht. Worauf die Kanone wohl mal gezielt hat?

Es geht immer noch weiter hinauf! Vorbei an der Cable Cab Station (hatte ich schon erwähnt, dass man auch rauffahren kann?) bin ich zu Fuß bis ganz nach oben gegangen. Die Überbleibsel aus den vergangenen Kriegen stimmen mich zwar stets ein wenig melancholisch, aber die Freude auf diesen Ausblick habe ich mir nicht nehmen lassen.

Mich wundert es nicht mehr, dass vor langer langer Zeit dieser Ort in der Mythologie erwähnt wurde. Wenn man sich die Touristen und die Kriegsüberbleibsel wegdenkt, hat dieser Ort auch etwas mystisches. Als Säulen des Herakles wurden der Felsen von Gibraltar und der Dschebel Musa in Marokko im Altertum bezeichnet. Diese Meerenge wurden von Herakles für das Ende der Welt erklärt, weshalb er die Säulen als Markierung setzte.

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Nur 14km trennen Europa und Afrika am engsten Punkt

Auf dem ganzen Weg vorbei an so vielen Kriegsrelikten, Kanonen, Leid und Tod musste ich ständig über die Dummheit dieser Menschheit nachdenken. Wie kann man nur so fahrlässig mit Menschenleben, Tieren und der Natur umgehen. Aber das ist vermutlich eine andere Geschichte.

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Wie viel Schiffe hat diese Kanone wohl versenkt?
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Grandioser Ausblick auf den Felsen und die Eastside, aber nie ohne eine Kanone im Bild

Den Rückweg nahm ich ganz unspektakulär genau so wie den Hinweg. Die Tour hat sich wirklich gelohnt und empfehle ich voll und ganz weiter. Durch das Entertainment-Programm der Affen ist das bestimmt auch für Kids  ein spannendes Erlebnis – trotz des Anstieges und des Kulturprogramms!

Vollgesogen mit tollen Ausblicken, Bildern und Erinnerungen, kann ich nun mit Sicherheit sagen:

„Ich habe Afrika von Europa aus gesehen und es war geil.“

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In der Ferne siehst du Afrika! 😍

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