Cinque Terre im Frühling

Im Frühling 2016 muss das gewesen sein, als ich das erste Mal diesen wunderbaren Fleck Erde betreten durfte. Damals hatte ich eine wunderbare Ferienwohnung direkt an der Steilküste – etwas außerhalb von Cinque Terre. Dieses mal habe ich die fünf Dörfer an der ligurischen Küste mit dem Dachzelt besucht. Schlußendlich war ich nicht weniger begeistert als vor vier Jahren, auch wenn sich in den Dörfern gefühlt nichts verändert hat.

Was ich auf meiner kleinen Bergtour durch Cinque Terre im Frühling so alles erlebt habe, das erfährst du heute in diesem Beitrag über Cinque Terre im Frühling.

Was ist die beste Anreise in die Cinque Terre?

Schon als ich das erste Mal in Cinque Terre war habe ich mich sehr darüber gefreut, dass es doch noch autofreie Dörfer auf dieser Welt gibt. Tatsächlich ist das in diesen kleinen bunten Städtchen gar nicht denkbar, wenn dort auch noch viele Autos hin und her fahren würden – da reicht der Platz gar nicht dafür. So ist es in allen der 5 Cinque Terre. Selbst die Anwohner müssen außerhalb der Dörfer parken und nur mit Sondergenehmigung kommst man zu bestimmten Zeiten am Tag mit dem Fahrzeug in die Dörfer.

Ich habe also von vornherein so geplant, dass ich mich gar nicht erst auf die Parkplatzsuche machen muss. Im Frühling ist das zwar in Cinque Terre im Vergleich zum Sommer gar kein Problem. Die Parkgebühren bleiben aber die gleichen astronomischen Summen. Deshalb habe ich es diesmal gleich andersherum gemacht und bin auf einen der Berge in der Nähe gefahren.

So habe ich beim Besuch der Cinque Terre gleich noch eine kleine Bergtour unternommen, allerdings zuerst den Abstieg und dann der Anstieg. Normalerweise geht das ja bei Bergtouren eher andersrum, so wie letztes Jahr am Lago Maggiore. Man kann aber ja nicht immer mit dem Strom schwimmen, also heute mal Andersrumtag!

Nachdem ich mein Auto also die Serpentinen bis auf den Parkplatz in dem Örtchen Telegrafo hochgequält habe, habe ich meine sieben Sachen gepackt und mich schon jetzt auf den wunderbaren Abstieg Richtung Riomaggiore vorbereitet. Dieser Ort der Cinque Terre sollte mein erstes Ziel des Tages werden.

1000 Stufen nach Riomaggiore

Ich habe mir für diese kleine Tour den einzigen sonnigen Tag der sonst doch ziemlich verregneten Februarwoche ausgesucht. Mit flexiblen Arbeitszeiten geht sowas immer prima! Bei strahlendem Sonnenschein und beinahe T-Shirt Wetter machte ich mich also auf zum Abstieg nach Riomaggiore.

1000 Stufen Richtung Meer? Ganz ehrlich – ich habe sie natürlich nicht gezählt. Aber es waren wirklich vielen Stufen vom Telegrafo bis nach Riomaggiore. Zuerst geht es vom Telegrafo durch ein kleines Waldstück stetig steil bergab. Schon in dem Waldstück begleitet mich der wunderbare Ausblick auf das ligurische Meer und das wird auf dem ganzen Weg bergab so bleiben. Ständig muss ich stehen bleiben, um den wunderbaren Ausblick zu genießen. Türkisblaues Wasser und eine Weite, die seinesgleichen sucht. Wenn ich mich nicht täusche konnte ich am Horizont sogar Sardinien erblicken.

Nach der ersten halben Stunde Abstieg durch das Wäldchen gelange ich dann zu den ersten Weinbergen. Hier kommt also der herrlich fruchtige Cinque Terre Wein her. Dieser Wein hat es wirklich gut getroffen mit der Aussicht – dann muss er ja fast schon gut schmecken!

Cinque Terre im Frühling – traumhaft nicht nur für den Wein!

Die Weinbauern sind hier schon fleißig dabei die Felder und Reben auf Vordermann zu bringen. Die Saison hat in diesen Breitengraden quasi schon angefangen, während in Deutschland Ende Februar noch alles im Winterschlaf liegt.

Entlang des Weges führen an eineigen Stellen dicke Wasserleitungen, die zur Bewässerung der Weinberge angebracht sind. Außerdem findet man immer wieder, teilweise den Wanderweg kreuzende, Lastenaufzüge. Ich habe noch nie einen in Aktion gesehen, diese Aufzüge sind hier aber auch an Hotels und Pensionen gang und gäbe.

Vorbei an den Feldern und Weinreben geht es gleich wieder ein kurzes Stück bergauf zu der Santuario di Nostra Signore di Montenero. Die Basilika ragt majestätisch auf dem kleinen Hügel empor und ist kilometerweit von der Straße aus zu sehen.

Natürlich hat man gleichzeitig einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und kann sogar schon den ersten Blick auf das Cinque Terre Dorf Riomaggiore erhaschen.

Ehrlich gesagt wirkt Riomaggiore aus der Ferne betrachtet bei weitem nicht so bunt und spannend, wie wenn man sich an dem kleinen Hafen im Dorf selbst befindet. Die bunten Häuser, das lebendige Treiben, die engen verwinkelten Gassen, der Geruch nach Meer. All das kann man natürlich aus der Ferne nicht wahrnehmen. Dazu müssen wir uns dem Dorf erst noch weiter nähern.

Riomaggiore – das östlichste Dorf der Cinque Terre

Also geht es immer weiter und immer weiter stetig abwärts Richtung Riomaggiore. Weit ist es aber jetzt nicht mehr. Schon am Rande des Dorfes kann man erahnen, was einen in Rioamggiore gleich erwarten wird: es wird bunt. Und es wird noch steiler. Ich hatte sogar schon etwas Sorge, dass dieses putzige Ambulanza Fahrzeug beim Parken umfallen könnte.

Wenn man das Dorf so sieht kann man gar nicht glauben, dass hier neben den ganzen Touristen auch noch 1.500 Einwohner ihren Wohnsitz haben. Wobei im Februar der Touristenansturm natürlich noch recht gering ist. Im Sommer hingegen gleicht der gesamte Nationalpark Cinque Terre eine reinen Touristenhochburg und ist meiner Meinung nach eher nicht empfehlenswert. Cinque Terre im Frühling oder im Spätherbst und Winter würde ich allerdings uneingeschränkt als Zwischenstopp oder auch als längeren Urlaub auf jeder „Musst have seen“-Liste empfehlen!

Der Flair und der Charme der kleinen Fischerdörfer kommt mit zu viel touristischem Trouble meiner Meinung nach einfach nicht mehr richtig zur Geltung. Bin ich froh, dass ich das Glück habe außerhalb der Saison hier sein zu dürfen.

Ich frage mich beim Anblick von solch außergewöhnlichen Baulagen immer wieder: wie kommt man auf die Idee ganze Dörfer in eine Steilküste zu bauen? Aber hey, wenn niemand die Idee gehabt hätte, könnten wir das heute nicht bewundern.

Also genieße ich bei schönstem Sonnenschein das Meeresrauschen und den wunderbaren Ausblick vom Hafen auf dieses kleine süße Dörfchen. La Dolce Vita! So fühlt es sich also an!

Von Riomaggiore nach Manarola

Da die Cinque Terre alle fünf nahezu autofrei sind, ist es wichtig auf andere öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen. Durch die Tunnel gelangt man in den eigenen Bahnhof des Dorfes, der nur in einem kurzen Abschnitt oberirdisch ist. Mit der Bahn kommt man auch in die anderen Dörfer oder bis nach La Spezia, Pisa oder Genua.

Alternativ kann man von dem einen Cinque Terre zum anderen auch prima per Boots-Taxi gelangen. Ich hatte auf beides keine Lust, sondern wollte gerne zu Fuß gehen. Die berühmte Via dell’Amore war mein Ziel.

Via dell’Amore – leider geschlossen.

Diese malerische Straße verbindet die beiden Dörfer entlang der Steilküste miteinander. Der Legende nach haben sich einst Liebende von Manarola und Riomaggiore hier auf jeweils halber Strecke in der Mitte getroffen. Daher rührt der Name „Straße der Liebe“.

Nur knapp 20 Minuten braucht man von dem einen Dorf zum anderen auf dem Weg direkt am Meer – wenn der Weg denn mal wieder zugänglich wäre.

Denn leider ist dieser Weg schon seit Jahren fast ganz gesperrt. Seit einem Erdrutsch im Jahre 2012 ist klar, dass größere Restaurierungsarbeiten anstehen. Laut der Seite „The Local“ sollen die Reparaturkosten insgesamt 12 Millionen Euro betragen, aber 2023 endlich abgeschlossen sein. Also steht man in ein paar Jahren dann hoffentlich nicht mehr vor verschlossenen Toren.

Apropos Wandern: Neuerdings müssen Wanderer in der Region Cinque Terre festes Schuhwerk tragen. Wer mit Flipflops auf Wanderwegen erwischt wird, muss mit Strafen von bis zu 2.500 Euro rechnen!

Der Weg ist das Ziel

Leider hatte ich mich vorher nicht informiert und ging davon aus, dass der Weg entlang der Küste seit meinem letzten Besuch vor Jahren wieder begehbar wäre. Da dies aber nicht der Fall war schaute ich mich jetzt spontan nach einer Alternativroute um. Doch auch diese war gesperrt – scheinbar sollte ich heute nicht zum Fuß nach Manarola kommen.

Auf die zweite „Absage“ beschloss ich kurzerhand, dass mein Fußweg heute in Riomaggiore enden soll und trat kurzerhand den Rückweg an. Von Riomaggiore aus bin ich dann erst einmal die 1.000 einst abgestiegenen Stufen wieder aufgestiegen.

Dann hatte ich die Qual der Wahl: Nehme ich den kürzeren Weg und laufe ein gutes Stück entlang der Straße, bin mir aber sicher, dass der Weg wirklich begehbar ist. Oder nehme ich den längeren Weg durch die idyllische Natur und laufe Gefahr, dass dort noch eine weitere Route gesperrt sein könnte.

Da es erst Nachmittag war wählte ich den längeren und schöneren Weg. Selbst wenn ich hätte umkehren müssen, hätte ich noch genug Zeit, um bereits vor dem Abendgrauen an meinem Auto heile anzukommen. Außerdem hatte dieser Weg fast durchgehend kaum Höhenmeter zu bewältigen, während der andere noch rauf und runter ging. Ein Umkehren wäre also nicht zu dramatisch gewesen.

Die Entscheidung scheint die richtige gewesen zu dein, denn ich wurde mit einem wunderbaren Weg und einem atemberaubenden Ausblick belohnt.

Außerdem hatte ich durch diese spontan entdeckte Route eine unglaublich ruhige Wanderroute zurück zum Telegrafo gefunden.

Spontanität will eben gut überlegt sein.

Papa

Nach insgesamt 15 km und 645 Höhenmetern Ab- und Anstieg bin ich nach 5 1/2 Stunden Wanderung heile und glücklich geschafft am Auto angekommen. Ich habe mir dann erst einmal ein kleines Nickerchen gegönnt und dabei meinen Plan für den Abend geschmiedet.

Manarola zur blauen Stunde

Leider konnte ich den geplanten Weg von Riomaggiore nach Manarola nicht über die Via dell’Amore gehen. Die Planänderung hat mich aber jetzt schon über eine Stunde früher als geplant zurück zum Auto gebracht. Was fange ich denn jetzt mit der gewonnen Zeit an diesem angebrochenen Abend an ist jetzt die Frage. Da kam mir der Gedanke des Abends: Es ist noch genug Zeit, um den Sonnenuntergang in Manarola zu sehen.

Also bin ich kurzerhand doch noch mit dem Auto vom Telegrafo bis nach Manarola gefahren, habe dort die sündhaft teuren Parkgebühren für eine Stunde gelöst und mich fix in das Dorf aufgemacht.

Mein Ziel war aber eher nicht der Sonnenuntergang selbst, sondern viel mehr ein Foto von dem wunderbaren Dorf NACH dem Sonnenuntergang zu knipsen.

In der Stunden nach Sonnenuntergang – also während der Dämmerung und vor Eintritt der nächtlichen Dunkelheit – hat der Himmel eine ganz besondere Färbung. In dieser Zeit kommen die Lichter und die Farben der Cinque Terre ganz besonders zur Geltung.

So habe ich das zweite Dorf der Cinque Terre am Ende doch noch besuchen können und nehme noch ein wunderbares Erinnerungsbild mit, das ich mir schon länger gewünscht habe. Ganz ungeplant und spontan – das sind die oft besten Erinnerungen!


    Du willst nichts verpassen?

    Dann trag dich hier ein und ich sende dir alle News zu meinem Blog!

    „In dem Newsletter schicke ich dir immer den neuesten Blog-Beitrag direkt zu. Nähere Informationen zu Inhalten, deiner Anmeldung und deinen Daten, dem Versand und der Auswertung sowie Abbestellmöglichkeiten erhebst du in der Datenschutzerklärung.“

    2 Kommentare

    1. Hallo Rebecca,
      sehr schöner Bericht! Die Fotos zur blauen Stunde sind super.
      Du traust dir immer was – klasse.
      Wünsche dir weiter viele schöne Erlebnisse beim Reisen.
      Viele Grüße
      Bettina Wontora

      1. Hallo Bettina,

        danke für dein wunderbares Feedback. Da geht mir direkt das Herz auf!
        Ich hoffe es kann bald wieder auf Reisen gehen, aber erstmal habe ich noch den ein oder anderen Beitrag aus dem Frühjahr in der Hinterhand =)

        Ganz liebe Dachzeltgrüße
        Rebecca

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert